Die deutsche Nationalitätenunterricht in Wudigeß und die Geschichte der Deutschen Nationalitätenschule

Die Bewohner von Wudigeß gründeten fast gleichzeitig mit den größeren Städten ihre Schule und ihren Kindergarten. 1777 gab Maria Theresia den ersten staatlichen Bildungserlass namens Ratio Educationis heraus. In Wudigeß organisierte die Kirche aber schon früher, ab 1715 den schulischen Unterricht, damals noch in deutscher Sprache. Der Lehrer, der sog. „ludi magister“ war Kaspar Raittenbauer aus Biberach. Er übte seine Arbeit 12-14 Jahre lang in einem heute unbekannten Gebäude aus. Die erste bekannte Schule der Stadt – die sog. „Bagolyvár“ (Eulenburg) – wurde Ende des 18. Jahrhunderts, 1787 in unmittelbarer Nähe der römisch-katholischen Kirche gebaut und 1804 renoviert (das heutige Szent László Ház [Sankt-Ladislaus-Haus]).
Hier wurde die älteste „Volksschule“ der Gegend und des ganzen Ungarn, die sog. „trivial Schull“ betrieben, wo nach unseren aktuellen Kenntnissen schon Anfang der 1790er Jahre Kinder der Gemeinde unterrichtet wurden.
1880 wurde der erste Kindergarten der Gemeinde gegründet, der vom Frauenorden Schwester vom Göttlichen Erlöser betrieben wurde. Sie kümmerten sich um die geistliche, emotionale, ethische und körperliche Erziehung der kleineren Kinder, da immer mehr Eltern Aufsicht und Unterricht für ihre Kinder beanspruchten. Aufgrund der dauernd wachsenden Anzahl der Kinder beauftragte der damalige Pfarrer 1888 die Ordensschwester auch mit dem Schulunterricht der Mädchen, und somit wurden die Jungen und Mädchen in der Schule „getrennt“ erzogen und unterrichtet. 1908 wurde das Gebäude der Bürgerschule neben dem einstigen Rathaus aufgebaut, wo die 1902 als Schule für Jungen verstaatlichte vorherige Kantorschule („Bagolyvár“) seinen neuen Platz fand. Mit dem Aufbau des neobarocken Gebäudes der sog. Klosterschule wurde 1926 durch Fürsprache des Bischofs von Székesfehérvár, Ottokár Prohászka begonnen. Das Gebäude wurde 1930 fertig und diente als Zuhause des lehrenden Frauenordens, wo sieben Schwester unterrichteten. Sie durften ihre unterrichtende und erzieherische Arbeit bis 1950, der Auflösung der Orden durch die Kommunisten durchführen.
In beiden Volksschulen der Gemeinde wurde im Sinne des 1868 erlassenen Gesetzes über den Volksschulunterricht von József Eötvös schon ab 1889 in ungarischer Sprache unterrichtet. Gleichzeitig schrieb aber dieses Gesetz vor, dass „in der Volksschule jedes Kind in seiner Muttersprache gelehrt werden“2 soll, daher wurden auch zwischen den Weltkriegen beide Schulen – den ungarndeutschen Wurzeln der Einwohner getreu und anderen ungarndeutschen Gemeinden in der Nähe der Hauptstadt ähnlich – hauptsächlich als Schulen mit Sprachunterricht (Typ C) betrieben. Aufgrund ihrer wertschöpfenden Arbeit im Volksschulunterricht sind besonders die Lehrer János Krantz (1739-1779), János Linnert (1779-1810), Antal Linnert (1810-1823), József Knirsch (1823-1869), György Linnert (1869-1884) und Rezső Edelmann (1884-1922), sowie die Lehrassistenten Pál Harbich, János Eschenbach und Pál Hefner hervorzuheben. Das Niveau der institutionalisierten Bildung zeigte sich auch daran, dass der Anteil der Analphabeten unter dem Bildungsminister Kunó Klebelsberg 1/3 des landesweiten Anteils betrug.
Obwohl in der Bildung die ungarische Sprache als anerkannt galt, wurde in den Familien und in der örtlichen Gemeinschaft weiterhin der mittelbayrische-österreichische Dialekt von Wudigeß verwendet, der umgangssprachlich auch „schwäbisch“ genannt und heute nur noch von den Ältesten gesprochen wird.
Der achtklassige Grundschulunterricht entstand 1948, nach der Verstaatlichung in den institutionellen Rahmen der Grundschule Nr. 1 Wudigeß, der ab Mitte der 1960er Jahre durch ein Gymnasium erweitert wurde. Die Schule wurde ab 1980 erneut als eigenständige Grundschule geführt.
Die Basis der in der Grundschule seit den 1960er Jahren vorhandenen ethnischen Orientierung bilden die 250-jährigen ungarndeutschen Wurzeln. Die deutsche Sprache galt ab dieser Zeit nicht mehr als allgemeine Unterrichtssprache, sondern als zu unterrichtende Minderheitensprache.
Heutzutage wird der deutschsprachige Nationalitätenunterricht immer öfter gesucht. In Wudigeß übernahm 2008 die seit 1994 bestehende Deutsche Selbstverwaltung die Trägerschaft der Schule und gründete auch eine deutsche Nationalitätenkindergarten. Der Kindergarten Kunterbunt/Tarkabarka ist im renovierten Gebäude des ersten Kindergartens von Wudigeß zu finden. Die Sanierungsarbeiten wurden 2009/2010 mit der Unterstützung des KMOP operativen Programms des Entwicklungsplans Neues Ungarn, der Gemeinnützigen Hermann Niermann Stiftung und Henrik Hambuch, des Firmenbesitzers von Domain.hu Kft. verwirklicht. Als Teil der Erziehungsprogramm der Einrichtung werden die Kinder im Rahmen des deutschsprachigen Vorbereitungsprogramm, dem sog. Vorschule Programm stufenweise in die Arbeit in der Schule eingeführt.
Aufgrund der Bedürfnisse und der Erfahrungen des Trägers entschied sich 2019 die Deutsche Selbstverwaltung für die Gründung einer eigenständigen deutschen Nationalitätenschule. Die am Nationalitätenunterricht teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der Széchenyi István Grundschule, die sich freiwillig ummeldeten, sowie ihre Lehrerinnen und Lehrer wurden übernommen. Dadurch entstand eine Schule mit zwölf Klassen. Das pädagogische Programm stützt auf die Inhalte des Vorschule Programms. Seit 2019 nehmen die Kinder auf Anfrage der Eltern in jedem Kindergarten der Stadt an der Vorbereitung teil.
Die Deutsche Selbstverwaltung und das von ihnen gegründete Gremium, das Schulteam (Mitglieder sind János Schrotti, Kinga Szabó, Andrea Martin, Gyula Meskó und Dr. Hilda Kőrösiné Merkl) führten die Aufgaben im Zusammenhang mit der Gründung durch.
Die Einrichtung erhielt die Betriebsgenehmigung nach langen und komplexen Vorbereitungsarbeiten am 29. Mai 2020. Die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer der Schule sowie zahlreiche externe Sachverständige, Eltern und Helfer leisteten ihren Teil der Arbeit, ohne ihre Kräfte zu schonen.
Die benötigten Sanierungs- und Wartungsarbeiten sind der harten Arbeit des Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung, János Schrotti, des Ingenieurs Tibor Menczinger und vieler junger Freiwilliger zu verdanken.
Die Deutsche Nationalitätenschule Wudigeß wurde am 1. September 2020 mit 310 Schülerinnen und Schüler in acht Jahrgängen und 13 Klassen eröffnet. Zur Schulleiterin wurde die Deutschlehrerin Mira Gölcz ernannt.
Als Standort gilt der rechte Flügel und die Räume in gemeinsamer Nutzung der Gebäude der Széchenyi István Grundschule unter Knáb János utca 60.
Unter den Teilnehmenden an der Eröffnungsfeier des ersten Schuljahrs der Deutschen Nationalitätenschule Wudigeß durften wir neben den Vorsitzenden der Stadt und der lokalen Einrichtungen und Vereine auch Imre Ritter, Abgeordneten der deutschen nationalen Minderheit im ungarischen Parlament, und den Hauptabteilungsleiter Richárd Tircsi in der Vertretung von Miklós Soltész, dem Staatssekretär für Kirchen, Nationalitäten und Zivilangelegenheiten des Ministeriums für nationale Ressourcen verehren.
1 Als Grundlage des Abschnitts diente die Studie A kántoriskolától a gimnáziumokig. Az oktatásügy fejlődése a kezdetektől napjainkig von Dr. Hilda Kőrösiné Merkl (In. Kőrösiné dr. Merkl Hilda szerk. Budakeszi évszázadai a harmadik évezred kezdetéig, 2001.
2 Eötvös József br. féle Népoktatási törvény 1868. In Dr. Pukánszky Béla – Dr. Nóbik Attila SZTE JGYPK Gyógypedagógus-képző Intézet, SZTE BTK Neveléstudományi Intézet
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